Am Tag der Pflege 2019 demonstrierten viele hundert Pflege-Schüler*innen in Mittelfranken für ihren Beruf. Heute ist er dank Corona-Krise in aller Munde.

Pflegeberufe - trotz der aktuellen Herausforderungen die richtige Entscheidung

Mittelfrankens Wohlfahrtsverbände werben für die Pflege – auch wenn die geplante Großveranstaltung am „Tag der Pflege“ am 12. Mai ausfallen musste

Als „herausfordernd“ beschreibt Katharina Reitenspies die Situation in der Corona-Krise. Die alten Menschen fühlten sich zunehmend isoliert und inzwischen komme von vielen täglich der Wunsch, die Angehörigen sehen zu wollen. Vom Balkon zu ihnen zu sprechen, genüge ihnen nicht mehr. Für das Pflegepersonal werde es anstrengend, auch wenn sie vieles unternehmen, die Bewohner zu beschäftigen und zu unterhalten.

Katharina Reitenspies ist angehende Pflegekraft im Caritas-Seniorenheim St. Albertus Magnus in Stein bei Nürnberg. Erst im Oktober hat sie ihre Ausbildung begonnen. Für den theoretischen Teil besucht sie die Berufsfachschule für Pflege des Caritasverbandes Nürnberg.
Wie mehrere hundert anderer Pflegeschülerinnen und -schüler hätte sie am 12. Mai - dem Tag der Pflege - in der Nürnberger Innenstadt teilgenommen. Kreativ und bunt wollten die jungen Menschen wie schon voriges Jahr mit Tanz, Pantomime, Theater, Spielen und auf Transparenten und Plakaten zeigen, wie schön, bereichernd und wertvoll ihr Beruf ist. Doch auch dem hat Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wegen der Pandemie musste die Bezirksarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege im Bezirk Mittelfranken die von ihr seit langem vorbereitete Veranstaltung absagen.
Und das in einem Jubiläumsjahr. Florence Nightingale, die Begründerin der Pflegeausbildung, hätte just an diesem 12. Mai ihren 200. Geburtstag gehabt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte daher das Jahr 2020 als „Jahr der Pflegenden“ ausgerufen.

Auf ganz unvorhergesehene Art ist 2020 nun ein Jahr der Pflegenden geworden. Und diese genießen auf einmal eine große Hochachtung, werden allgemein mit Lob und Applaus überschüttet und als „systemrelevant“ bezeichnet. 
Ob auch nach der Corona-Krise, in der die Personalsituation im Gesundheitswesen besonders angespannt ist, der Pflegeberuf die gleiche Anerkennung genießt, bleibt abzuwarten. 
Sicher ist, dass seine Systemrelevanz weiter steigen wird. Sind in Deutschland schon heute rund 3,5 Millionen Menschen auf Pflege und Betreuung angewiesen, davon allein in Bayern mehr als 400.000, so wird die Zahl in den nächsten 10 Jahren auf fast 4 Millionen ansteigen. Das erfordert 80.000 zusätzliche Stellen in der stationären und noch einmal 20.000 in der ambulanten Pflege.

Katharina Reitenspies hat in der Pflege ihre Berufung gefunden. Sie ist bereits 27 Jahre alt, hat studiert und dann in der Tourismusbranche gearbeitet. „Den Bürojob fand ich schrecklich“, sagt sie. Bereits als Gymnasiastin habe sie bei der Pflege ihrer Tante mitgeholfen. „Ich war immer dabei, habe alles gesehen“. Als sie sich beruflich umorientierte, habe ihr Vater gesagt: „Das liegt dir.“ Sie arbeite heute in der Pflege, „weil es mir gefällt“.

Auch mit den Verdienstmöglichkeiten ist Katharina Reitenspies zufrieden: „Es bedeutet für mich keine Einbuße“. Vor allem aber lobt sie die Kolleginnen und die Ausbildung: „Ich habe eine sehr gute Praxisanleitung. Meine Ausbilderin hat viel Zeit für mich.“

Michael Groß, Vorsitzender der Bezirksarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege im Bezirk Mittelfranken hofft, dass viele junge Menschen dies genauso sehen und sich zur neuen dreijährigen, generalistischen Pflegefachkraftausbildung, die seit diesem Jahr deutschlandweit die bisherigen Ausbildungsberufe Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und die Altenpflege ersetzt, entschließen. 
Auch, oder gerade, unter dem Zeichen des Virus.
 

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